Vier Fragen an Dr.-Ing. Axel Schmidt

 

Wo sehen Sie die Potentiale von IIP-Ecosphere für die Industrie und speziell für Ihr Unternehmen?

Das Verbundprojekt IIP-Ecosphere ermöglicht es Unternehmen, den Reifegrad der Digitalisierung industrieller Wertschöpfungsprozesse durch die Einbeziehung von KI-basierenden Lösungsansätzen weiter auszubauen. Das daran gekoppelte Ökosystem dient insbesondere klein- und mittelständischen Unternehmen als Wissens- und Integrationsplattform für KI-relevante Problemstellungen und Anwendungen in der industriellen Produktion. Die zunehmende Volatilität externer Einflussgrößen und Interoperabilität von Geschäftsprozessen entlang der Wertschöpfungskette bedingt eine Komplexität, die mit klassischen Ansätzen der Informationsmodellierung und Analytik nicht mehr erfasst werden können. Das Arbeitsfeld der künstlichen Intelligenz kann hier neue Wege zur Lösung komplexer Problemstellungen im Produktionsumfeld aufzeigen, um Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, Verfügbarkeiten zu erhöhen, Qualität und Effizienz zu verbessern, Kosten zu senken, Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Nachhaltigkeit zu steigern.

Welchen Herausforderungen begegnet Ihr Unternehmen bei der Umsetzung von KI-basierten Methoden?

Das Gebiet der KI ist nicht neu. Dennoch mangelt es derzeit an Transparenz und Verständnis für die dort angewendeten Methoden, welches eine wesentliche Hürde darstellt, um sich dem Thema zu nähern. Abgesehen davon bedarf es für die erfolgreiche Umsetzung einer engen Zusammenarbeit zwischen zwei bisher nicht harmonisierten Welten: die des Prozessingenieurs mit dem notwendigen Wissen über die technischen Systeme und die des Datenanalytikers mit KI-Methodenkompetenz und Kenntnissen zur Datenanalyse. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, eine für das Problem geeignete KI-Methode auszuwählen oder zu entwickeln, sondern auch in der Verfügbarkeit und Qualität der erforderlichen Daten für eine Validierung der ausgewählten KI-Methoden.

Low hanging fruits“ sind hier nur schwerlich zu ernten, meist ist erhebliche Vorarbeit erforderlich, um den notwendigen Reifegrad der Daten für eine KI-Integration herzustellen. Für ein Unternehmen sind dieses Risiko-Investitionen, die speziell ausgebildetes, schwer rekrutierbares Fachpersonal erfordern und nicht unmittelbar in eine Wertschöpfung münden.

Welche Schritte sind geplant im Rahmen von IIP-Ecosphere?

Wir beabsichtigen im Rahmen von IIP-Ecosphere einen Demonstrator eines intelligenten, autonomen Leiterplattenprüfplatz aufzubauen, der sich unter anderem durch folgende Elemente auszeichnet:

  • Autonome Planung und intelligente Identifikation einer rüstoptimalen Prüfreihenfolge
  • Selbststeuernde Materialzuführung von Rüst- und Prüfmaterial
  • Intelligentes, autonomes Rüsten des Prüfplatzes mittels Robotik
  • KI-unterstützte Erkennung von Pseudofehlern und Verschleiß im Rahmen der Prüfung
  • Aufbau einer Integrationsplattform zum Management der Daten- und M2M-Kommunikation

Welche Vorteile erhoffen Sie sich für Ihr Unternehmen durch IIP-Ecosphere und warum sollten KMUs daran teilnehmen?

Als Partner im Projekt erhoffen wir uns in erster Linie Wissen zum Thema KI im Unternehmen aufzubauen und zu festigen. Besonders hilfreich sollte sich dabei der in IIP-Ecosphere integrierte Wissensverbund (Think Tanks) mit einem umfangreichen Kompetenznetzwerk erweisen, welches für alle Beteiligten im Zugriff ist. Praxisnah wird das Wissen in enger Zusammenarbeit mit Fachexperten an konkreten Anwendungsfällen entwickelt und validiert. Eine Beteiligung an IIP-Ecosphere reduziert durch die bereitgestellten Fördermittel des Bundes sowie das in dem Verbundprojekt integrierte Kompetenznetzwerk das Kostenrisiko für die beteiligten Unternehmen und steigert mit der Unterstützung des installierten Kompetenznetzwerks die Erfolgschancen auf dem Weg, KI-Wissen und Anwendungen erfolgreich in ein Unternehmen einzuführen. Zusätzliche Motivation schafft die zeitliche Befristung des Vorhabens, wodurch alle Beteiligten aufgefordert sind, stark fokussiert und ergebnisorientiert zusammenzuarbeiten. Damit ist IIP-Ecosphere eine große Chance für jedes beteiligte Unternehmen, seinen Reifegrad auf dem Weg zur digitalen Transformation deutlich zu erhöhen und seine Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Dr.-Ing. Axel Schmidt ist seit 14 Jahren Director Engineering bei Sennheiser electronic GmbH & Co. KG in der Wedemark. —› Foto: Sennheiser

Vier Fragen an Dr.-Ing. Axel Schmidt, Sennheiser electronic